Wie klug gehen wir mit unseren Ängsten um?

Wie fassungslos wir waren, damals 2004, als die Monsterflut, der Tsunami, über die thailändische Küste brach. Viele von uns hatten Freunde, Verwandte, Bekannte, die damals dort gerade in Urlaub waren, sich in letzter Sekunde retten konnten – oder auch nicht. Über 230.000 Menschen starben damals, Touristen, Einheimische und über 1,7 Millionen Menschen wurden obdachlos. Und trotz mancher vorhergehender Wetterwarnungen versagte damals der Instinkt der Menschen, die am Katastrophenort waren, fast vollständig. Tiere wittern die Gefahr, fliehen, wir Menschen wundern uns über die plötzliche Stille, warum das Wasser so weit zurückweicht, der Strand auf einmal so breit ist….

Was die Corona-Krise in uns auslöst….

Das, was uns jetzt passiert, die Corona-Krise, weist in manchem Ähnlichkeiten auf: Das Plötzliche der Katastrophe, das, was wir vermeintlich nicht ahnen konnten, das, zumindest gegenwärtig, Unbeherrschbare, demgegenüber wir uns hilflos fühlen. Es wird noch viele Monate dauern, bis ein Impfstoff entwickelt worden ist. Beim „Coronami“, heimtückischer noch als beim Tsunami, ist es das Unsichtbare des „Gegners“, das uns existentiell ängstigt.

Totstellen, Verdrängen, Schockstarre angesichts der Krise

Ein erster Reflex: was wir uns nicht vorstellen können, verdrängen wir lieber; die über einige Wochen Sorglosigkeit seit den ersten Signalen einer Epidemie ist Nachweis genug, „ach was, alles halb so schlimm, reine Hysterie…“. Hätten wir bereits früher Maßnahmen ergriffen wie das Canceln von Präsenztreffen, hätte die Verbreitungsdynamik des Virus eingeschränkt werden können. Die seit Mitte Januar in China rigoros ergriffenen Maßnahmen scheinen jetzt Wirkung zu zeigen, nach Ansagen der Regierung senkt sich die Neuinfektionskurve dort langsam. Aber: das Verdrängen ist ein zutiefst menschliches Phänomen. Wir wollen mit unseren Ängsten nicht konfrontiert werden. Und grundsätzlich ist das zunächst auch ein sinnvoller Reflex. Zu starke Angst, die zur Panik wird, lähmt uns, versetzt uns in Schockstarre oder in besinnungsloses Handeln, wie wir aktuell es bei den sog. Hamsterkäufen erleben.

Wenn wir uns hilflos, ausgeliefert fühlen, können wir diese Krise für ein tiefes Ausloten nutzen, was genau uns ängstigt und warum das so ist

Hier zeigt sich unsere Angst, die Kontrolle zu verlieren, nicht mehr Herr der Lage zu sein. Aber: An diesem Punkt können wir zum Guten ansetzen. Hier haben wir die Chance, aus der kreatürlichen Panik zurückzufinden in ein überlegtes Umgehen mit dem, was uns ängstigt. Zurückzufinden zur Selbst-Bestimmung, zur Selbst-Führung.

Unser Gewinn aus der Krise: Zeit für ein tiefes Ausloten

Hier kann uns die aktuelle Pandemie sogar ein Ansporn sein für ein grundsätzliches Überdenken; sie eröffnet uns die Chance, uns selbst-reflektierend zu fragen: Was ängstigt mich in meinem Leben? Gibt es Situationen, die mir nicht beherrschbar erscheinen?

Etwa wenn ich im Job (vermeintlich) urplötzlich vor einer Entscheidung stehe, die ich jetzt treffen muss und auf die ich mich überhaupt nicht vorbereitet fühle? Oder wenn sich im Privatleben, wieder (vermeintlich) vollkommen unvorhersehbar, mein Partner von mir abwendet, mich verlassen will?

Wie gehe ich mit meinen Ängsten um? Was bringt mir die Krise an Erkenntnis?

Ein kurzer Selbstcheck:
Was löst die aktuelle Krise in Dir aus?

  • Was ängstigt mich in meinem Leben? Beruflich? Privat?
  • Welche Situationen erscheinen mir nicht beherrschbar?
  • Hat mir eine Krise schon einmal wichtige Erkenntnisse beschert?

In Situationen, die uns scheinbar Übermenschliches abverlangen, wird deutlich, wie sehr wir es uns oft in unserer Komfortzone gemütlich gemacht haben. Uns ein Lebensumfeld gebaut haben, in dem die Dinge ihren guten, vertrauten Gang gehen: Krise – was soll das sein? Und auf einmal, von heute auf gestern, ist alles anders – verbunden mit der nicht zu ignorierenden Frage an uns selbst: Was erwartet mich außerhalb der Komfortzone? Schauen wir jetzt auf die Gestaltungsmöglichkeiten, die uns die Krise eröffnet, gedanklich aber auch im tatsächlichen Tun.

Die Krise ist da, aber ich kann daran wachsen……

Ja: Du, ich, wir alle haben keine übermenschlichen Kräfte. Die Pandemie selbst abzuwenden – da können wir nur auf medizinisch-pharmazeutische Expertise, Beharrlichkeit in der Forschung und Schnelligkeit vertrauen – und damit sind wir schon beim so wichtigen Begriff Vertrauen: Vertrauen ist ein Gefühl, das uns über schlimme Belastungssituationen hinweghelfen kann, verstärkt noch durch das Vertrauen in uns selbst, was wir überstehen können, weil wir es wollen. Dieses Vertrauen schenkt uns eine Kraft, von der wir selbst überrascht sind: Meine Mitarbeiter, mein Unternehmen werden diese Krise überstehen, auch wenn es natürlich schmerzliche Folgen und Einschnitte geben wird… aber auch daraus können wir lernen. Unser Glaubenssatz kann hier sein. „Das, was passiert, wird mich nicht im Kern aus der Bahn werfen, es wird mich nicht im Kern erschüttern.“

Das, was passiert, wird mich nicht im Kern erschüttern; ich werde gestärkt aus der Krise hervorgehen!

Diese Bewusstseinsreife ist ein wichtiger Schritt für unser inneres Wachstum, in diesem Moment gewinnen wir wieder eine zumindest innere Denk- und Handlungsfreiheit zurück, unsere Angst wird geringer. Noch weitergehend gedacht, beschert uns der Verlust, bei der aktuellen Pandemie vor allem von Handlungsfreiheit, auch einen Gewinn: die Selbst-Erkenntnis, wie ich mit belastenden Situationen umgehe. Auch das lässt sich auf vielfache Lebenssituationen übertragen; etwa, wie gehe ich mit schwierigen Kollegen um?

Vom Wert des Innehaltens – gerade in der Krise

Was geschieht da gerade mit uns allen? Wir sind, bedingt durch die Gefahr einer noch extremeren Verbreitungsgeschwindigkeit des Virus als gegenwärtig schon, zu einer Art Stillstand gezwungen. Und das in unserer Gegenwart mit einer sich selbst überholenden Dynamik! In der wir meinen, wenn wir nicht überall dabei sind, etwa bei vermeintlich extrem wichtigen Begegnungen – dass wir dann auf der Strecke bleiben. Wie oft vergessen wir in diesem Turbo an Präsenz, dass es der Pausen, des Innehaltens bedarf, weil wir sonst, wie bei einem nicht betankten Motor, leerlaufen. Die Corona-Krise zwingt uns jetzt zu diesem Innehalten, wirft uns zurück auf die unterste Stufe der Bedürfnispyramide nach Maslow, auf die Stufe unserer kreatürlichen Existenz.

Drei Tipps für einen klugen Umgang mit der Krise

  • Erobere Dir Deine innere Freiheit zurück; Du bestimmst, wie sehr Du Angst über Dich herrschen lässt – und wie besonnen Du mit Herausforderungen umgehst.
  • Nimm die Krise als Chance, über Deinen grundsätzlichen Umgang mit schwierigen Situationen nachzudenken, privat oder beruflich.
  • Überleg‘ Dir jetzt, was Du tun kannst – in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, um die Krise abzufedern! Sinnvolle, hilfreiche Aktivität ist das beste Gegenmittel zur empfundenen Ausweglosigkeit.


Gerade dieses Erleben der Unsicherheit um unsere pure physikalische Existenz kann uns jetzt Erkenntnisse schenken: Demut etwa, die Dankbarkeit für das, was mir das Leben bisher gewährt hat, die Frage, was mir wirklich wichtig ist im Leben! Aus diesem Eintauchen in uns selbst können Ideen aufleuchten, kreative Geistesblitze, von denen wir vollkommen überrascht sind. Menschen in Not werden zurückgeworfen auf ihren Erfindungsreichtum; das hat uns in der Menschheitsgeschichte noch jede Krise gezeigt. So entdecken wir aktuell, ob privat oder in der Wirtschaft, welche positiven Potenziale in der digitalen Welt schlummern, für Begegnungen und Austausch. Aber auch ganz analog zeigt sich der Mensch in seiner Kreativität, etwa wenn in Italien, dem Land mit seiner großen Begeisterung für kulturelle Ereignisse, besonders für musikalische, Menschen von ihren Balkonen aus ihren Mitmenschen etwas vorsingen, kleine Konzerte bieten.

Angesichts der Krise: Die Wieder-Entdeckung von Solidarität

Und wir entdecken gegenwärtig, wie sich scheinbare Gegensätze zu etwas Neuem formen. Gerade wegen des Gebots der körperlichen Distanz rücken wir sozial näher zusammen. Das zeigen die wachsenden Nachbarschaftsinitiativen, digital verkündet oder auch durch Zettel am Straßenbaum: „Kaufe für Euch ein, gehe mit Eurem Hund Gassi“….wenn Nachbarn wegen Quarantänemaßnahmen ihre Wohnung, ihr Haus nicht verlassen dürfen. Wir entdecken ein Wort und einen Wert neu, der uns in unserer sich selbstoptimierenden Gesellschaft schon fast abhandengekommen schien:. Solidarität.

Copyright Beitragsbild genehmigt: iStock


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